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Mediendisput um die sogenannte Lügenpresse – Gibt es diese wirklich?

In diesem Beitrag geht es darum die „Presse“ zu beleuchten. Nicht erst seit der Corona-Pandemie und der Pegida Bewegung gibt es diesen Begriff „Lügenpresse“. In diesem Beitrag möchte ich  verschiedene Belege diskutieren, die einem zu der Annahme bringen, dass die „Medien“ lügen könnten.

Die Pediga-Bewegung und die Lügenpresse

Erinnern Sie sich noch an die Pegida-Bewegung, die 2015 allenthalben das Lied von der Lügenpresse gesungen hatte?

Forsa-Umfragen ergaben damals, dass in etwa 44 Prozent der dazu befragten Personen sehr wohl von der Existenz einer solchen Lügenpresse ausgingen in dem Sinne, dass die Medien „von ganz oben gesteuert“ werden.

Stein des Anstoßes war gewiss die Art und Weise, wie die Flüchtlingsströme in der Medienberichterstattung behandelt wurden, wobei viele Bürger die Situation live in ihrem Wohnbezirk erlebten. Zwischen ihrer realen Wahrnehmung und der geschönten Darstellung durch Journalisten klaffte eine zynische Schere immer weiter auseinander.

Der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) hat die Integration der Zuwanderer als gescheitert erklärt und erntete für seine Meinungsäußerung, wie so viele andere Menschen auch, einen medialen Shitstorm. Dies veranlasste den Kommunikationsforscher (TU Berlin) Norbert Bolz zu der Klarstellung, dass wir uns alle zurzeit weit entfernt von der Meinungsfreiheit befinden. Die Presse habe es sich angewöhnt, ausschließlich Vorzeigebeispiele sehr gut integrierter Migranten zu präsentieren. Doch zur Wahrheit gehört mehr als das.

Insofern sei der Verdacht, dass hier Manipulationen eine Rolle spielen, nicht von der Hand zu weisen. Viele Medien seien von einem linksintellektuellen, tabuisierten Diskurs durchsetzt.

Der Publizist Roland Tichy veröffentlichte in seinem Internet-Blog kritische Bemerkungen über den russischen Präsidenten Putin. Postwendend überrollte ihn eine erdrückende Protestwelle. Er faste die Situation ganz treffend so zusammen: „Die Grenzen zwischen Lügen, Verschweigen und Selbstzensur sind fließend.

In dem kleinen sächsischen Ort Sebnitz, der circa 8.000 Einwohner zählt, war der Sohn eines deutsch-irakischen Apotheker-Ehepaares tödlich verunglückt. „Neonazis ertränken Kind“, hieß die unmittelbar prangende Schlagzeile, dabei hatte der Junge ein Herzleiden, das schließlich in einen Badeunfall mündete. Jene Zeitung, die eigentlich darum bemüht war, die Vorgänge richtigzustellen, konnte sich am Ende die Bemerkung nicht verkneifen, dass Neonazis sehr wohl die Täter hätten sein können, bedenkt man, welche Stimmung in Sebnitz tatsächlich vorherrschte. Tichy sieht gerade die deutschen Journalisten in der selbst gewählten Rolle eines Propheten, der mit Worten und Bildern für etwas kämpft, anstatt neutral und unvoreingenommen darüber zu berichten, was seine Aufgabe ist.

Per Gerichtsbeschluss wurde es Tichy verboten, den Namen eines Wirtschaftsbetrügers preiszugeben, der Anleger erneut dubiose Ölaktien aufschwatzen wollte, nachdem er in dieser Angelegenheit bereits eine Haftstrafe verbüßt hatte. Nein, Journalisten dürfen in Deutschland die Wahrheit gar nicht sagen. Der Kodex des Presserats verlangt ganz allgemein, dass über die religiöse oder ethnische Zugehörigkeit überführter und verurteilter Straftäter überhaupt nur in Ausnahmefällen berichtet werden darf. Ist dies Schutz oder Zensur?

Lutz Hachmeister ist ebenfalls Kommunikationswissenschaftler und zugleich Leiter des Adolf-Grimme-Instituts. Er weist darauf hin, dass es intensive Eliteverflechtungen zwischen Politik, Industrie und Journalismus gibt. Und auch die öffentlich-rechtlichen Sendersysteme stecken da angeblich mitten drin. Wir erinnern uns: 2014 erklärte kein Geringerer als das Bundesverfassungsgericht, dass die Strukturen der Aufsichtsgremien des ZDF gesetzeswidrig seien. Dass die Eliten die deutsche Presse von oben steuern würden, wäre ja geradezu eine Verschwörungstheorie, so weit will Hachmeister nicht gehen. Sehr wohl bemerkt das Publikum, dass die Presse deutlich abhängiger hantiert, als sie zugeben würde.

Die Lügenpresse – eine Reportage von Panorama (NDR) 

Wenn wir weiter in der Zeit zurückgehen, finden wir weitere Belege. Es gab sogar einmal eine Reportage des NDR zu genau diesem Thema.

Die Reporterin Anja Reschke wollte wissen, was man dem Fernsehen noch glauben könne, und machte sich im Sommer 2011 auf den Weg durch unsere Republik, um dieser Frage nachzugehen. Schon damals war ihre Bilanz ernüchternd, heute wären ihre Ergebnisse geradezu erschreckend, denn von der Wahrheit haben sich die Medien bewusst immer weiter entfernt. Blicken wir also noch einmal zurück.

St. Goarshausen im Rheintal liegt idyllisch unweit der Loreley. In der RTL-Sendung „Unterm Hammer“ wurde das schöne Haus der Familie Fischbach für 235.000 Euro versteigert. Doch hoppla, mehr als ein Jahr danach stand das Haus noch immer zum Verkauf. Wie denn das?

Alles war nur ein Fake, aber im Abspann der „Doku“ hieß es dreist: „Die notarielle Beurkundung wurde nach der Auktion durchgeführt.“ RTL beteuerte, davon nichts gewusst zu haben, verantwortlich sei die externe Produktionsfirma gewesen. Immerhin wurde die Serie danach eingestellt. Wir kommen später noch einmal darauf zurück.

Es geht bei RTL im Rahmen der „scripted reality“ um menschliche Schicksale und deren Lebensrealitäten. Alles wird den beteiligten „Schauspielern“ Wort für Wort in den Mund gelegt, denn der Zuschauer würde sich zu Tode langweilen, würde man so filmen, wie das Leben wirklich spielt.

Imke Antjen will am Berliner Alexanderplatz „Beute machen“. Die selbstständige Casterin sucht neue Fernsehgesichter, die vielleicht irgendwann für irgendwelche Soaps zu gebrauchen sind. Dicke Frauen, Punks, Kriminelle eignen sich ganz hervorragend, denn Hartz-IV-Doku-Soaps laufen immer gut. Ihr Büro liegt weiter draußen in Berlin-Köpenick. In ihrer Kartei warten schon über 10.000 potenzielle Darsteller auf ihren großen Auftritt, in dem unbedingt Klischees bedient werden müssen.

Gefragt sind gutes Aussehen, Alter bis maximal 45, während Alte, Kranke und Behinderte sofort aussortiert werden müssen. Mit Realität hat diese Fernsehwelt jedenfalls nichts zu tun. Wie gesagt, Hartz-IV-Familien kommen immer gut an. Da war zum Beispiel die Dame mit ihren zwei Töchtern, alle gut rundlich gebaut und Arbeit suchend. Ramona ist 49 Jahre alt, bringt 105 kg auf die Waage, ist ungepflegt, findet sich selbst aber super, ist also eine sensationelle Type, genau das, was RTL haben will.

Tatsächlich wohnt diese Familie ganz authentisch im Plattenbau in Berlin-Lichtenberg. Mitgespielt haben sie bei der RTL-Reality-Doku „Mitten im Leben“, ihre Rolle heißt: „Hartz-IV-Mutter entlädt ihren Frust an der Tochter.“ Fürs Fernsehen muss ihr Zusammenleben natürlich etwas „krawalliger“ aufbereitet werden. Die Folge hieß dann „Mutter Ramona gönnt ihrer Tochter ihr Liebesglück nicht“, was natürlich alles frei erfunden war.

Der RTL-Pressesprecher Christian Körner wurde dazu befragt. Es ging darum, ob RTL seine Sendungen eindeutig als reale Doku beziehungsweise erfundene Soap kennzeichnet. Er geht davon aus, dass RTL mündige Zuschauer hat, die sehr wohl unterscheiden können, was „gescripted“ ist und was nicht.

Das Marktforschungsinstitut Ipsos ist genau dieser Frage nachgegangen, indem die Wirkung der „Ramona-Doku“ auf Zuschauer, denen längere Ausschnitte daraus vorgeführt wurden, untersucht wurde. Und tatsächlich bestätigen die Teilnehmer, dass die gezeigten Klischees das bereits vorhandene „Schubladendenken“ deutlich verstärken. Die Tochter Katrin wurde jedenfalls nach der Austragung der Sendung in der Schule gemobbt. Pro Folge bekam Ramona ein paar Hundert Euro, viel Geld für sie, ein gutes Geschäft für RTL.

Als das Kabelnetz für das Privatfernsehen in den 1980er-Jahren verlegt wurde, lag viel Hoffnung darauf, dass mehr Sender zu mehr Standpunkten und damit zu mehr Ausgewogenheit führen würden. Christian Schwarz-Schilling war damals Minister für das Post- und Fernmeldewesen. Er hatte den technischen Weg dorthin bereitet und noch heute ist er glühender Verfechter des Privatfernsehens.

Als ihm ein paar Ausschnitte über den Film mit Ramona gezeigt wurden, wurde er etwas nachdenklich. Er sagt, der Zuschauer muss immer wissen, ob er ein „Kunstwerk“ oder einen Bericht über die Wahrheit sieht. Das Fernsehen sei ein großer Einflussfaktor auf die gesamte Gesellschaft und trage daher ein hohes Maß an Verantwortung.

Ein anderes Beispiel ist die Sendung „Entscheidung am Nachmittag“ auf Pro7 mit dem Titel „Meine arbeitslose Mutter treibt mich in den Wahnsinn“. Darin geht es um den Dauerstreit zwischen Cindy und ihrer Mutter. Dass sämtliche Szenen nur nach Drehbuch abgedreht wurden, so wie es Cindy erklärte, bestreitet RTL.

„Auf und davon“ auf VOX gibt Daniela Katzenberger als überaus hilfsbereite Freundin der Protagonistin aus, die aber erklärte, dass eine Freundschaft zwischen beiden niemals bestand. Doch die Produktionsfirma besteht nach außen hin darauf, dass die gesamte Handlung echt ist.

Pro7 NEWS TIME ist eine überaus echt wirkende Nachrichtensendung. Es ging zum Beispiel um eine Geburt in einer New Yorker Klinik, was ja nichts Ungewöhnliches ist. Merkwürdig war dann schon, dass das Baby binnen Minuten so schnell heranwuchs, dass ein spontaner Kaiserschnitt erforderlich wurde. Der absolut realistisch wirkende Nachrichtensprecher und das Studio waren aber nur Teil einer Werbung für die neue Serie „Fringe“.

Die Landesmedienanstalten haben unter anderem die Aufgabe, die Privatsender zu kontrollieren. Prof. Weiß wertet die entsprechenden Zahlen und Statistiken darüber aus mit dem Ergebnis, dass RTL nur noch einen Sachinformationsanteil von acht Prozent aufweisen kann. Er weist im gleichen Atemzug auf den Rundfunkstaatsvertrag hin, aus dem klar hervorgeht, dass die Existenzberechtigung der Privatsender daran gebunden ist, dass diese ebenfalls Verantwortung in Sachen neutrale Information übernehmen.

Demgegenüber findet es der RTL-Pressesprecher Christian Körner völlig o. k., dass sich Zuschauer einfach nur unterhalten lassen möchten, und dass „scripted reality“ richtig gute Quoten einfährt, gibt ihm einfach recht. „Die Schulermittler“ (zwei Sozialarbeiter) sind ein gutes Beispiel dafür. Alles sieht aus wie echt, ist aber nur gespielt. Günter Stampf produziert die Schulermittler im Auftrag von RTL. Er glaubt mit Begeisterung fest daran, dass scipted reality „am Beginn eines globalen Siegeszuges steht“.

Auch zur Sendung „Die Schulermittler“ wurde wieder beim Marktforschungsinstitut Ipsos ein Experiment mit Zuschauern gemacht, die den Vor- beziehungsweise Abspann mit dem kurzen Hinweis auf scripted reality nicht zu sehen bekamen. Ihre Befragung ergab, dass sie es ganz hervorragend finden, dass heute sofort Sozialarbeiter zum Einsatz kommen, wenn Schüler ein Problem haben. Dass ihnen hier nur eine schöne bunte Fantasiewelt, die es so an realen Schulen überhaupt nicht gibt, vorgegaukelt wird, war den Probanden nicht klar. Von 1000 Teilnehmern waren 160 von der Echtheit der Reportage überzeugt, immerhin 450 von ihnen erkannten (oder wussten), dass es sich um Schauspieler handelte.

Kommen wir abschließend noch einmal auf die Familie Fischbach in der Sendung „Unterm Hammer“ zurück. Sie befanden sich tatsächlich in einer finanziellen Notlage und mussten deshalb ihr Haus verkaufen, vertrauten dabei auf eine wertvolle Unterstützung durch RTL. Besonders perfide war hierbei, dass die Familie Fischbach während der gesamten Dreharbeiten zur Versteigerung ihres Hauses zu keinem Zeitpunkt darüber informiert worden war, dass die Bieter nur Schauspieler sind und das Haus in Wahrheit gar nicht kaufen. Doch Christian Körner macht sich weiterhin keine Sorgen um die Glaubwürdigkeit seines Senders RTL.

Wolfgang Börnsen ist medienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und findet diese Art der gespielten Dokumentationen nicht vertretbar, denn die Demokratie braucht glaubwürdige Medien. Doch Einfluss nehmen auf den Wahrheitsgehalt der Darstellungen der Privatsender kann die Politik nicht. Dennoch hat Wolfgang Börnsen an mehrere Ministerpräsidenten geschrieben mit der Bitte um strengere Bestimmungen für Privatsender. Dass er damit rein gar nichts bewirkt hat, wissen wir heute.

Beitragsbild: 123rf.com adragan8

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